Berlin City Marketing
Nach dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 befand sich Berlin in einer Identitätskrise. Die Stadt war zudem fast bankrott. Heute, fast 35 Jahre später, hat sich Berlin zu einer der beliebtesten Städte der Welt entwickelt, die neben einer reichen Geschichte auch ein vielfältiges kulturelles Angebot und Raum für Freidenker bietet. Wie hat Berlin das geschafft?
Die Vergangenheit Berlins, die zunächst als Hindernis angesehen wurde, wurde zu einem der wichtigsten Faktoren für die Identität der Stadt. Ikonische Orte wie Checkpoint Charlie, das Holocaust-Mahnmal und die Überreste der Mauer wurden zu Touristenattraktionen. Eine weitere große Veränderung war die gemeinsame Stadtmarketingkampagne „Be Berlin“ (ja, tatsächlich inspiriert von der Iamsterdam-Kampagne). Diese fortlaufende Kampagne, die vom Senat und der Berliner Wirtschaft finanziert wird, hat zum Ziel, das positive Image Berlins zu stärken und die Stadt als einen großartigen Ort zum Leben, Arbeiten und Besuchen zu promoten.
Auch andere europäische Städte machen sich mit Slogans wie MADrid about you, Totally LondON, Echt Utrecht und Only Lyon einen Namen. Diese Kampagnen haben dazu beigetragen, starke Markenidentitäten für ihre Städte zu schaffen, um Einwohner, Unternehmen und Besucher anzulocken.
Was unternimmt Berlin für die EM?
Während der EM nutzt Berlin die Gelegenheit, um für die Stadt zu werben. Die Stadt organisiert spezielle Veranstaltungen und Aktivitäten für Fußballfans und andere Besucher. Berlin richtet spezielle Fanzonen ein, in denen sich Fans versammeln können, um die Spiele anzuschauen. Diese Zonen sind mit Großbildschirmen, Imbiss- und Getränkeständen sowie Live-Unterhaltung ausgestattet.
Um die reiche Kultur der Stadt zu präsentieren, organisiert Berlin Konzerte, Ausstellungen und Straßenfestivals. So haben Besucher die Möglichkeit, sowohl den Fußball als auch die Kultur Berlins zu genießen. Ein Beispiel dafür sind die niederländischen Fans heute: Auf RTL Nieuws ist zu sehen, wie Zehntausende Fans Berlin vor dem Spiel gegen Österreich orange färben. Darüber hinaus nehmen sich viele die Zeit, historische Orte wie den Checkpoint Charlie zu besuchen.
Berlin hat von anderen Gastgeberstädten gelernt
Große Sportveranstaltungen wie die Fußball-EM bieten eine hervorragende Gelegenheit, Stadtmarketing effektiv einzusetzen und den Stolz und das Engagement sowohl der Einwohner als auch der Besucher zu stärken. Berlin setzt dabei auf lokale Kultur und hat dabei von früheren Gastgeberstädten gelernt. So scheiterte Budweisers „Rise As One”-Kampagne während der FIFA-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien, weil sie nicht zur lokalen Kultur passte und die nationale Identität Brasiliens ignorierte. Auch die eher auf den Tourismus ausgerichtete Kampagne der Ukraine für die UEFA Euro 2012 scheiterte, da die Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Infrastruktur nicht ausgeräumt wurden, was zu weniger Besuchern als erwartet führte. Die „Real”-Kampagne von Coca-Cola während der Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan war zu allgemein und hatte keine lokale Relevanz, was es schwierig machte, die lokale Bevölkerung einzubeziehen.
Berlin hingegen schafft einzigartige Erlebnisse, indem es Fanmeilen mit Großbildschirmen und Live-Unterhaltung einrichtet, die sowohl Einheimische als auch andere Fans anziehen. Außerdem wird die lokale Kultur durch historische Führungen und kulturelle Veranstaltungen hervorgehoben, wodurch Besucher die Stadt kennenlernen und wirklich erleben können. Darüber hinaus arbeitet Berlin mit lokalen Gastronomiebetrieben und Geschäften zusammen, um Sonderangebote und Themenabende rund um die EM zu organisieren, was eine gastfreundliche Atmosphäre schafft und auch die lokale Wirtschaft ankurbelt. Laut Berlin Partner, einem Zusammenschluss von mehr als 200 Unternehmen in Berlin zur Förderung der Stadt, trägt dies zu positiven wirtschaftlichen Auswirkungen bei und stärkt die Position Berlins als dynamische und gastfreundliche Stadt.
Indem sie Berlins Ansatz folgen, können Städte ihre einzigartige Kultur und Identität einem weltweiten Publikum präsentieren und wirtschaftliche Vorteile für die lokale Gemeinschaft generieren. Durch die Vermeidung der oben genannten Fehler und die Umsetzung der Strategien Berlins können Städte sich als authentische Orte profilieren und so die Chancen, die Großveranstaltungen im Sportbereich bieten, optimal nutzen.